Wasser

Das blaue Gold der Zukunft

Das Thema Wasser beflügelt seit einiger Zeit die Aktienkurse von Umweltaktien, zu Recht. Wasser wird in naher Zukunft einer der wertvollsten wirtschaftlichen Faktoren werden. Siebzig Prozent der Erdoberfläche ist mit Wasser bedeckt. Nur 2,5 Prozent aller Wasservorkommen der Erde sind Süßwasser. Der Großteil der 2,5 Prozent ist in Form von Eis, sei es als Gletscher oder aber als Eisschichten an den Erdpolen, nicht direkt nutzbar. Weiterhin ist ein Teil des Wassers in der Atmosphäre gebunden oder befindet sich in sehr tiefen Erdschichten.
Insgesamt bleiben weniger als 0,07 Prozent der Wasservorräte, die als Trinkwasser verwendet werden können. Aber auch diese relativ kleine Menge reicht aus, um die Menschheit mit genügend Wasser zu versorgen, gäbe es da nicht ein Problem: Das Verteilungsproblem.
Das Süßwasser ist nun mal nicht gerecht verteilt. So gibt es Gebiete, in denen Wasser im Überfluss vorhanden ist und im Gegensatz dazu Gebiete, in denen akute Wasserknappheit herrscht.
So leben heute über 2,3 Milliarden Menschen ohne eine ausreichende Wasserversorgung und ohne vernünftige sanitäre Einrichtungen. Die Folge hiervon ist, dass über 5 Millionen Menschen so direkt oder indirekt pro Jahr ums Leben kommen.
Die UNO hat kürzlich eine Studie vorgestellt, in der auf dieses Problem aufmerksam gemacht wird. Demnach sollen bis zum Jahre 2025 vierzig Prozent der Menschen unter akutem Wassermangel leben.
Hierdurch wird natürlich das Auftreten von gefährlichen Krankheiten wie Typhus oder Cholera gefördert. Begründet ist dieses gehäufte Auftreten von Krankheiten zum einen durch die Verunreinigung des Wassers und zum anderen durch miserable hygienische Verhältnisse.
Neben dem Verteilungsproblem besteht auch ein Verbrauchsproblem. Schaut man sich die Verbrauchsdaten an, so stellt man fest, dass 70 Prozent des Wassers für die Landwirtschaft, 20 Prozent für die Industrie aber nur 10 Prozent für die Haushalte verwendet wird.

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Erstaunlich hierbei ist nur, dass in wasserarmen Gebieten ausgerechnet Pflanzen angebaut werden, die besonders viel Wasser benötigen. So ist es in diesen Ländern gang und gäbe, Baumwollpflanzen für die Industrieländer anzubauen, während die Bevölkerung hungert und unter Wasserarmut leidet.
Wenn man alle diese Fakten zusammenträgt, so erkennt man schnell, dass Wasser bald wertvoller sein wird als Öl. Auch eskalierende Konflikte um Wasser sind durchaus denkbar. So existieren heute schon eine Vielzahl von Krisenherden:

Beispiel Nil:
Der Nil versorgt gleich 8 Länder mit Wasser. Er ist damit außerordentlich wichtig für die Wasserversorgung. Spannungen entstehen nun dadurch, dass Länder wie der Sudan, Äthiopien oder Ägypten große Mengen des kostbaren Gutes für großangelegte Bewässerungsprojekte verwenden, und das ohne Rücksicht auf ihre Nachbarländer. So sinkt in Folge dieser Aktivitäten der Wasserstand des Nils ständig. Er ist sogar auf dem besten Wege auszutrocknen.
Und wozu ein solcher rücksichtsloser Umgang mit dem Wasser führt, wird am Beispiel des Aralsees deutlich.
Der zwischen Kasachstan und Usbekistan liegende See war das größte Süßwasservorkommen in der Region und zugleich die Lebensgrundlage vieler Millionen Menschen. Diesen Menschen wurde nun aber durch den rücksichtslosen Umgang mit der Ressource Wasser die Lebensgrundlage entzogen.
Durch die Bewässerung von riesigen Baumwollplantagen sank der Wasserspiegel des Sees kontinuierlich. Dazu muss man wissen, dass der Aralsee keine unterirdischen Quellen besitzt. Es ist vielmehr so, dass zwei Flüsse in diesen See münden, die einen natürlichen Zufluss an Wasser darstellen. Gleichzeitig verdunstete über die große Fläche des Sees das Wasser. So existierte Jahrhunderte lang ein natürliches Gleichgewicht zwischen Wasserzufluss und Verdunstung.
Nun aber wurden die Zuflüsse weitestgehend gestoppt, da die zuführenden Flüsse infolge großer Bewässerungsprojekte nahezu austrockneten. Die Folge war, dass durch Verdunstung und Förderung des Wassers für die Landwirtschaft der Wasserstand ständig sank. Früher einmal war der Aralsee so groß wie Irland, heute ist er dabei auszutrocknen. Von 1960 bis heute ist der Wasserspiegel um etwa 16,5 Meter gefallen. Sein Wasservolumen sank um beachtliche 78 Prozent. Ehemals an der Küste gelegene Siedlungen, deren Bewohner hauptsächlich vom Fischfang lebten, liegen heute inmitten einer öden, vegetationsarmen Salzwüste, zum Teil mehr als 100 km vom Ufer entfernt.
Ein weiterer Krisenherd ist der Nahe Osten. Hier verschärft sich zunehmend der Konflikt zwischen Jordanien, Syrien, Libanon und den Palästinensern auf der einen und Israel auf der anderen Seite. Streitpunkt hier ist der Jordan.
So besitzt Israel 80 Prozent der Wasserquellen in Westjordanien sowie 40 Prozent der Wasservorräte auf den besetzten Golanhöhen, die früher zu Syrien gehörten.
Eine weitere Provokation vieler arabischer Länder stellt das Abkommen zwischen der Türkei und Israel dar. In diesem Abkommen verpflichten sich beide Staaten, sich gegenseitig mit Wasser zu versorgen.
Die Türkei baut zudem zur Zeit an einem riesigen Staudammprojekt. Ziel ist es, die Flüsse Euphrat und Tigris anzustauen, mit der Folge, dass die Flüsse 80 Prozent weniger Wasser führen werden. Den Nachbarstaaten wird so die Lebensgrundlage entzogen. Ob diese sich diesen Wasserraub stillschweigend gefallen lassen, ist fraglich.

Wasserverschmutzung

Neben dem schon angesprochenen Problem der Wasserverteilung und des Wasserverbrauchs existieren noch weitere Probleme. Einige, gerade für einen Investor interessante Sektoren, sind hierbei die Probleme der Wasserverschmutzung und das marode Wasserleitungsnetz.
Die Wasservorräte werden zunehmend durch Landwirtschaft (Pestizide), Chemieabfälle oder ausgelaufenes Öl verunreinigt. Diese Verschmutzung hat in letzter Zeit dramatisch zugenommen, so daß es zunehmend schwieriger wird, Wasser zu reinigen. Verschärft wird das Problem durch marode Leitungsnetze. Ein Negativbeispiel ist hier beispielsweise die Stadt Manila auf den Philippinen. Hier versickern nahezu 50 Prozent des Trinkwassers durch löchrige Leitungen. Aber dieses Phänomen ist nicht nur in diesen Gebieten, sondern auch in Deutschland sehr verbreitet. Schätzungen belegen, dass hierzulande nahezu 1,6 Milliarden Liter des kostbaren Trinkwassers täglich aus deutschen Leitungen versickern.
Die Weltbank hat dieses Problem erkannt und die Investitionssumme für die Sanierung ermittelt. Demnach sind in den nächsten 10 Jahren mindestens 600 Milliarden USD weltweit für Leitungsnetze notwendig. In Deutschland plant man daher, die Leitungsnetze zu privatisieren, um sich vor den anstehenden Kosten zu drücken.
Bei den löchrigen Leitungen gibt es neben dem Auslaufen von Wasser aber noch ein weiteres, viel schlimmeres Problem. Das Wasser kann verunreinigt werden. Gefährliche Krankheitserreger können durch die Löcher in den Leitungen in den Nahrungskreislauf gelangen. So brach beispielsweise in der kanadischen Stadt Walkerton vor einiger Zeit eine E-Coli-Epidemie aus. Ursache war die Verunreinigung des Wassers durch Gülle aus der Landwirtschaft.
Man sieht also, dass Unternehmen, die sich auf Wasser spezialisiert haben, enormes Zukunftspotential besitzen. Wer sich jetzt positioniert, kann sich in ein paar Jahren über enorme Gewinne freuen.

 

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Copyright (c) 2012 Dipl.-Wirt.-Inform. Dennis A. Winkler, Stand: 02.07.2012
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