Full Function Point Methode 1.0

Die Full Function Point(FFP)-Methode erweitert die FP-Methode um die Möglichkeit, auch zeitkritische Realtime-Systeme mit tiefgestaffelten Prozessstrukturen zu messen. Diese 1997 von Alain Abran von der University of Quebec at Montreal entwickelte Methode definiert dazu zusätzliche BFCs (Vgl. [HÜRTEN99], S.34):

  • External Control Entry (ECE),
  • External Control Exit (ECX),
  • Internal Control Read (ICR),
  • Internal Control Write (ICW),
  • Internal Control Logical Group (ICLG),
  • External Control Logical Group (ECLG).

Der Hauptansatzpunkt ist, dass man nun auch die Einfachheit vieler Komponenten der Realtimesoftware berücksichtigen kann.
Albrecht unterscheidet bei der Ermittlung der Function Points nicht zwischen Steuerinformationen und Geschäftsinformationen.

Bei der FFP-Methode dagegen wird eine Differenzierung vorgenommen. So wird zwischen Managementprozessen einerseits und Kontrollprozessen andererseits unterschieden. Weiterhin werden bei der FFP-Methode auch von außen nicht erkennbare Aktivitäten wie beispielsweise das Schreiben oder das Lesen auf, bzw. von Datenbeständen bei der Zählung mit berücksichtigt.

Die BFCs der FP-Methoden bilden dabei laut Definition den Managementprozess, und die oben aufgeführten zusätzlichen BFCs bilden den Kontrollprozess.
Bei der Ermittlung der FP nach Albrecht werden nur die Informationen betrachtet, die die Blackbox-Grenze des zu messenden Systems verlassen. So werden u. a. die Lese- und Schreibzugriffe von bzw. auf Datenbeständen innerhalb des Systems nicht berücksichtigt. Die FFP-Methode dagegen berücksichtigt diese sehr wohl (Vgl. [HÜRTEN99], S. 34-35).

ECE und ECX zählen die Steuerinformationen, die das zu messende Softwaresystem von außerhalb erhält oder nach außen übermittelt. ICR und ICW zählen die Zugriffe auf gespeicherte Steuerungsdaten.

Die Datenbestände bei der FFP-Methode werden als „Group“ bezeichnet. Auch hier unterscheidet man zwischen Internal und External Control Logical Groups. An dieser Stelle wird nochmals eine Quantifizierung vorgenommen, je nachdem, ob für einen Entitätstypen nur eine Entität vorhanden ist oder mehrere. Im ersteren Falle spricht man von einer Single Occurrence Group und im letzteren Falle von einer Multiple Occurrence Group (Vgl. [HÜRTEN99], S. 36).

Wie auch bei der FP-Methode erfolgt nach der Ermittlung der BFCs die Gewichtung der einzelnen BFCs. Diese erfolgt für die auch bei der FP-Methode ermittelten und dem Managementprozess zuzuordnenden BFC analog zur FP-Methode.
Die zusätzlichen BFCs, die dem Kontrollprozess zuzuordnen sind, werden wie folgt gewichtet:
 

Gewichtung für ECE, ECX, ICW und ICR

Anzahl der Datenelementtypen <= 19

Anzahl der Datenelementtypen >19 <= 50

Anzahl der Datenelementtypen > 50

Punkte nach FFP

1

2

3

Quelle: [HÜRTEN99], S.36

Gewichtung für Single Occurrence ICLG

Anzahl der Datenelementtypen =10

Anzahl der Datenelementtypen =35

Anzahl der Datenelementtypen =50

Punkte nach FFP

7

12

15

Quelle: [HÜRTEN99], S.37

Gewichtung für Single Occurrence ECLG

Anzahl der Datenelementtypen =10

Anzahl der Datenelementtypen =35

Anzahl der Datenelementtypen =50

Punkte nach FFP

2

7

10

Quelle: [HÜRTEN99], S.37

Diese Form der FFP-Methode wird daher auch als „Full Function Points: Function Points Extension for Real-Time Software“ bezeichnet. ([HÜRTEN99], S. 33).

Laut Bundschuh und Fabry gibt es folgende Gesetzmäßigkeit zwischen der FP-Methode und der FFP-Methode:
„Eine Überprüfung von 5 Applikationen mit IFPUG-Function-Points und FFP ergab kaum Differenzen im kommerziellen Umfeld, aber ca. 70 % Unterschied bei Realtime-Systemen.“ ([BUNDSCHUH00], S. 215).

Sollte diese von Bundschuh und Fabry ermittelte Gesetzmäßigkeit repräsentativen Charakter haben, so kann wahlweise sowohl die IFPUG FPA als auch die FFP-Methode Anwendung finden. Nur im Falle von Realtime-Systemen ist die FFP-Methode der IFPUG-Methode vorzuziehen.
Die FFP-Methode, die gerade Grundlage der Betrachtung war, trägt die Versionsnummer 1 und wurde kürzlich durch den Nachfolger COSMIC FFP ergänzt. Sowohl die FFP-Methode Version 1.0 als auch die COSMIC-FFP-Methode werden entsprechend für konkrete Fälle eingesetzt.

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Copyright (c) 2012 Dipl.-Wirt.-Inform. Dennis A. Winkler, Stand: 02.07.2012
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