Erfahrungskurve

Der Aufwand, der für die Entwicklung eines Software-Systems oder Teile davon erforderlich ist, wird in der gängigen Einheit Personenmonate (PM) angegeben [Vgl. [BUNDSCHUH00], S. 100).
Zwischen dem Aufwand und der funktionalen Größe, wie beispielsweise der FP-Anzahl, besteht ein direkter Zusammenhang in Form einer Funktion. Allgemein kann festgestellt werden, dass mit zunehmender FP-Anzahl auch der Aufwand steigt.

Dieser Aufwand lässt sich für bestehende Projekte in Form einer Aufwandskurve darstellen. Dazu sind, um eine hinreichend abgesicherte Aufwandskurve zu erhalten, mindestens 20 bis 25 abgeschlossene Projekte zu berücksichtigen. Zusätzlich müssen die entsprechenden Projekte in ihrem Entwicklungsumfeld gleichartig sein [Vgl. [HÜRTEN99], S. 54).
Je homogener also die Zusammensetzung der Projekte ist, desto genauer bildet die Aufwandskurve den Zusammenhang zwischen PM und FP ab.

Eine solche Aufwandskurve ist im Folgenden exemplarisch für IFPUG FP dargestellt:

kurve1

Eine derartige Aufwandskurve wird also aus einer Art Erfahrungsdatenbank ermittelt und deshalb auch als Aufwands-Erfahrungskurve bezeichnet.
In den meisten Fällen ist gerade bei der Einführung von FSM-Verfahren in einem Unternehmen jedoch keine derartige Erfahrungsdatenbank vorhanden, so dass die Erfahrungskurve nachträglich durch eine Nachkalkulation ermittelt werden muss. Diese Nachkalkulation scheitert jedoch in der Praxis häufig daran, dass entweder nicht genügend abgeschlossene und ausreichend dokumentierte Projekte zur Verfügung stehen, oder aber dass der Zeitaufwand hierfür zu groß wäre [Vgl. [HÜRTEN99], S. 57].

Wenn man nun dennoch eine Aufwandskurve ermitteln will, so bedient man sich folgender Methode: Es werden die Ergebnisse von 4 bis 5 nachkalkulierten Projekten mit bekannten, in der Literatur veröffentlichten Aufwandskurven verglichen und so eine für das Unternehmen gültige Aufwandskurve approximiert ([HÜRTEN99], S. 57).

Diese so ermittelte Aufwandskurve kann nun dazu verwendet werden, die zu erwartenden Personenmonate als Aufwand abzuschätzen (Vgl. [DUMKE93], S. 155).
Neben dem Aufwand lassen sich auch noch weitere Zusammenhänge mittels einer Erfahrungskurve ermitteln. So kann beispielsweise auch die Qualität, die Dauer oder aber auch Business-Daten wie ROI in Form einer Erfahrungskurve dargestellt werden. Die Erstellung dieser Erfahrungskurven erfolgt dann analog zu der Erstellung der Aufwandskurve.
Die folgenden Abbildungen zeigen beispielhaft einige Erfahrungskurven auf Basis von IFPUG FP. Ähnliche Kurven haben auch Garmus und Herron in ihrem Buch veröffentlicht (Vgl. [GARMUS96], S. 28/29).

kurve2

Die diesen Erfahrungskurven zu Grunde liegenden Funktionen lassen sich nun dazu verwenden, anhand von vorgegebenen FP die einzelnen Basisgrößen wie Produktivität, Time-to-Market etc. abzuschätzen.

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Copyright (c) 2012 Dipl.-Wirt.-Inform. Dennis A. Winkler, Stand: 02.07.2012
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