Entwicklungsfaktoren

Die Entwicklung beeinflussen vor allem 3 Faktoren:

  1. Politische Faktoren
  2. Gesellschaftliche Faktoren
  3. Wirtschaftliche Faktoren

Politische Faktoren

Das Haupthandicap der Biotechnologiebranche liegt in den politischen Regulierungen. Keine andere Branche wird so überwacht, kontrolliert und reguliert wie die Biotechnologiebranche.

Aber wie greift die Politik in die Unternehmen ein?

Im wesentlichen wird dies durch Gesetze und Verordnungen gemacht. Dazu zählen neben den üblichen Gesetzen, wie z. B. BGB oder HGB, vor allem Gesetze und Verordnungen zum Thema Gentechnik, wie beispielsweise:

· Gesetz zur Regelung der Gentechnik oder

· die Gentechnik Verfahrensordnung.

Die hier genannten Gesetze sind jedoch nur ein Bruchteil aller Gesetze zum Thema Biotechnologie. Weiterreichende Informationen können Sie über die Internetadresse

http://www.umwelt-online.de

beziehen.

Neben diesen nationalen Verordnungen und Gesetzen sind aber auch noch Gesetze der Europäischen Union zu beachten. Gerade in letzter Zeit hat die EU gehörigen Einfluß auf diesen Bereich gewonnen.

Diese Regulierungen dienen zwar dem Schutz der Bevölkerung, jedoch haben diese einen dämpfenden Einfluß auf die Zukunftsaussichten.

Aber auch der in diesem Buch angesprochene Beschluß der EU-Umweltminister, bis wenigstens 2002 keine Genehmigungen für gentechnisch veränderte Organismen mehr zu erteilen, trägt dazu bei.

Nicht nur bestehende Gesetze, sondern gerade auch die zukünftigen Gesetze können für die Biotechnologie-Branche gefährlich werden. Diesen Einfluß konnten Anleger im März 2000 am eigenen Leib verspüren. Die Kurse der Biotechnologieaktien brachen auf breiter Front ein. Zu den größten Verlierern zählten dabei Firmen, die sich mit der Entschlüsselung der Gesamtheit der genetischen Informationen von Organismen, dem sogenannten Genom, beschäftigen.

Was war geschehen?

Der amerikanische Präsident und der britische Premierminister ließen öffentlich verlautbaren, daß die genetischen Informationen jedem kostenlos zur Verfügung gestellt werden sollten.

Diese Ankündigung ist zwar für die Menschheit im allgemeinen eine positive Entwicklung, jedoch für die in diesem Bereich forschenden Unternehmen ein herber Rückschlag – ist ihnen damit doch die Möglichkeit genommen, ihre teuren Forschungsergebnisse zu einem guten Preis zu verkaufen. Diesen Firmen würde damit die Arbeits- und Geschäftsgrundlage entzogen.

Ob diese Vorschläge von den Politikern wirklich in einiger Zeit zu Gesetzen werden, ist ungewiß. Zu oft in der Geschichte haben Politiker versucht, Einfluß auf  wirtschaftlich operierende Unternehmen zu gewinnen – und meist ohne Erfolg.

Auch muß man gerade bei kleinen dynamischen Unternehmen damit rechnen, daß diese international sehr mobil sind. Die Unternehmen könnten, noch bevor ein solches Gesetz beschlossen werden würde, ihren Firmensitz in ein anderes Land verlegen und somit diesen Regulierungen ausweichen. Und daß die Mobilität, gerade bei diesen Unternehmen vorhanden ist, wird im folgenden Beispiel deutlich:

In den 70er und 80er Jahren vertrieben die Politiker aus Kontinentaleuropa regelrecht die in diesem Bereich tätigen Unternehmen durch eine Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen. Es begann eine Massenabwanderung von biotechnologischen Forschungsaktivitäten in die USA und nach Großbritannien. Auch diesem Sachverhalt ist es zu verdanken, daß das Mekka der Biotechnologie heute in den USA und Großbritannien beheimatet ist.

Und genau solche Abwanderung könnte in den USA und Großbritannien einsetzen, wenn die Vorschläge zur Offenlegung der Ergebnisse Wirklichkeit werden.

Gesellschaftliche Faktoren

Neben den politischen Faktoren sind jedoch auch die gesellschaftlichen Faktoren mit zu berücksichtigen. Wer erinnert sich nicht an Kinofilme, in denen Killerviren aus Forschungslaboren entweichen und Tausenden von Menschen das Leben kosten. Und genau an diese Filme erinnern sich die Menschen, wenn sie die Begriffe Gentechnik oder Biotechnologie hören.

Die hierdurch jahrelang geschürten Ängste haben sich in Vorbehalte gegen dieses Neue manifestiert. Diese ablehnende Haltung ist jedoch nicht auf den gesamten Biotechnologiesektor gerichtet. Die Bereiche Pharma/Medizin und Umwelt sind weniger davon betroffen als beispielsweise die Agrarbiotechnologie.

Die überwältigende Mehrzahl der Menschen tritt für die Notwendigkeit der Entwicklung neuer Medikamente unter Einsatz der Bio- und Gentechnologie ein. Ja sogar Menschen, die selbst solche Medikamente zur Zeit nicht benötigen, begrüßen die Biotechnologieforschung in diesem Bereich, besteht doch bei dieser Bevölkerungsschicht zumindest die Angst vor einer Erkrankung.

Die Agrarbiotechnologie kennt solchen Zuspruch in der Bevölkerung nicht. Das Mißtrauen der Bevölkerung ist dabei so groß, daß jegliche Lebensmittel, die gentechnisch veränderte Zutaten enthalten, vom Verbraucher boykottiert werden. Solche Lebensmittel sind, zumindest in Europa, insbesondere aber in Deutschland, nicht verkäuflich.

Warum die Menschen dem so ablehnend gegenüber stehen, läßt sich nicht ohne weiteres begründen. Es gibt mehrere Theorien – ob diese stichhaltig sind oder nicht, sei dem Leser vorbehalten:

· Seit geraumer Zeit wächst das Interesse der Bevölkerung, sich gesund und vollwertig zu ernähren. Das Verlangen nach ökologisch angebauten und chemisch unbehandelten Lebensmitteln wächst ständig. Genmanipulierte Lebensmittel fallen daher nicht in diese Kategorie „ökologisch“ und treffen daher auf Ablehnung.

· Die Ursachen können in der Unwissenheit der Bevölkerung liegen. Wußten Sie, daß 44 Prozent der deutschen Bevölkerung immer noch glauben, daß eine normale, unveränderte Tomate im Gegensatz zu einer gentechnisch veränderten Tomate überhaupt keine Gene besitzt?

· Eine weitere Theorie läßt sich aus unserem christlich geprägten Weltbild ableiten, welches ja Eingriffe in die Schöpfung ablehnt.

Sie sehen also, die Theorien sind vielfältig, und jede ist in gewisser Weise zutreffend.

Bei alledem sollte jedoch nicht vergessen werden, daß Zweifel an der Unschädlichkeit immer angemessen sind, zumal es in letzter Zeit immer wieder kontroverse Diskussionen zu diesem Thema gab. So führte „Der Spiegel 2/98“ in einer seiner Ausgaben vor einiger Zeit „Nebenwirkungen der Agrarbiotechnologie“ auf:

Bewiesen werden konnte unter anderem,

· daß es Gentransfers auf andere nicht veränderte Pflanzen verwandter Arten gibt,

· daß es Nebenwirkungen auf Insekten gibt (z. B. Schneeglöckchengen in Kartoffeln produziert ein für Marienkäfer giftiges Eiweiß), und

· daß Viren DNS-Stücke aus virusresistenten Pflanzen „stehlen“, und dadurch neue Eigenschaften entstehen.

  • Sie sehen also, daß ein Investment in den Agrarbiotechnologiebereich mit erheblichen Risiken verbunden ist.

Wirtschaftliche Faktoren

Wie in einem der voran gegangenen Abschnitte schon angedeutet wurde, waren unterschiedliche Vorraussetzungen in den verschiedensten Teilen der Welt für die Entwicklung der Biotechnologiebranche gegeben. Während sich dieser Industriezweig vorrangig in den USA und Großbritannien ansiedelte, wurde Kontinentaleuropa von dieser Entwicklung abgekoppelt. Der Grund waren die unterschiedlichen Vorraussetzungen. In den USA und Großbritannien waren und sind die Kapitalmärkte fortschrittlicher und besser entwickelt. Es gab vor allen einen sogenannten „Venture-Capital-Markt“, also einen Risikokapitalmarkt. Auch war die Aktienkultur wesentlich stärker entwickelt. Aufgrund dieser Risikokapitalgeber konnten Jungunternehmer aus dem Biotechnologiebereich Finanzzierungspartner erhalten. Andere Möglichkeiten der Geldbeschaffung, also z. B. durch Kredite, gab es nicht, da sich einfach niemand fand, der diesen Start-Up-Firmen Kredite gewährte.

Auch die Finanzierung aus Eigenkapital durch einen Börsengang war nicht möglich, da der Zugang zum Aktienmarkt erst nach einigen Jahren erfolgreicher Geschäftsfähigkeit möglich war.

Diese Vorraussetzungen haben sich heute verändert. Nun gibt es auch in den europäischen Ländern spezielle Börsensegmente für Wachstumsunternehmen.

Seit  einiger Zeit gibt es zudem auch hierzulande Risiko-Kapitalgeber. Daher haben sich die Rahmenbedingungen deutlich verbessert.

 

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