Die mobile Revolution

Die mobile Revolution

Hype oder globaler Megatrend?

1991 telefonierten weltweit ca. 16 Millionen Menschen mobil, 1997 waren es bereits 200 Millionen, im Jahre 1999 schon 350 Millionen Menschen. Jüngste Schätzungen belegen, daß im Jahre 2008 weit mehr als 3 Milliarde Menschen mobil telefonieren werden.

In Deutschland bietet sich ein ähnliches Bild. 1999 telefonierten 24 Millionen Deutsche mobil. Ende 2000 waren es schon 37 Millionen.

Der Umsatz der Mobilfunkanbieter wächst jährlich um etwa 25 Prozent. Das Handy wird bald so selbstverständlich sein wie eine Armbanduhr.

Nutzungsarten

Es werden ständig neue und leistungsfähigere Mobiltelefone entwickelt, mit denen es beispielsweise möglich ist,

· im Internet zu surfen,

· Bilder zu senden und zu empfangen,

· E-Mails zu senden,

· Bankgeschäfte zu erledigen oder aber

· Börseninformationen abzurufen.

WAP

Dies alles wird durch eine neue Technologie namens WAP (Wireless Application Protocol) ermöglicht. Seit Anfang des Jahres 2000 kann jeder Mobilfunknutzer diese neue Technologie nutzen und mittels Handy beispielsweise im Internet surfen, Bankgeschäfte tätigen oder aber Fahrkarten reservieren.

Dies gibt der ganzen Mobilfunkbranche einen kräftigen Umsatzschub. Experten gehen davon aus, daß es in einigen Jahren mehr Mobilfunkanschlüsse als Festnetzanschlüsse gibt. Festnetzanschlüsse werden dann überflüssig.

Mobilfunk vs. Festnetz

Dieser Sachverhalt zeigt sich zum Beispiel in dem neuen Produkt der Firma VIAG Interkom. Sie stellt dem Kunden ein Handy zu Verfügung, welches den Festnetzanschluß überflüssig machen soll. Hält sich der Kunde zu Hause auf, so kann er mit dem Handy zu Festnetzkonditionen telefonieren. Entfernt er sich mehr als 500 Meter von seiner Wohnung, so fungiert das Telefon als Mobiltelefon zu den dann teureren Tarifen.

Erreichbar ist er dabei unter zwei verschiedenen Telefonnummern:

I.  unter seiner Mobilfunknummer,

II.  unter einer normalen Festnetznummer.

Dieses revolutionäre Produkt ist also eine echte Alternative für Kunden ohne Internetanschluß. Wenn demnächst der UMTS Standard eingeführt wird, kann auch ein Kunde mit Internetanschluß getrost seinen Festnetzanschluß kündigen, da dann die Übertragungsbandbreite geschaffen ist, die dem heute verfügbaren ISDN in nichts nachsteht.

Allein für die UMTS-Lizenzen mußten die Telefongesellschaften in Deutschland fast 100 Mrd. DM ausgeben. Jede einzelne Lizenz zieht Investitionen zwischen 3 und 8 Mrd. USD nach sich. Daraus wird deutlich, daß hauptsächlich die Mobilfunkinfrastrukturanbieter von diesem Trend profitieren werden.

Die Schwächen der heutigen Technik

Aber warum ist UMTS so wichtig? Nun, jeder der schon mal mittels WAP-Browser im Handy im Internet gesurft ist, kennt das Problem. Die Übertragungsraten sind derart langsam, daß die WAP-Funktionalität heute noch nicht in allen Anwendungsfällen sinnvoll erscheint.

Ein deutsches Computermagazin führte kürzlich einen Test durch. Der Test bestand im ersten Teil darin, eine Fahrplanauskunft einzuholen und eine Bahnfahrkarte zu kaufen. Im zweiten Teil sollte dann schließlich eine Pizza bestellt werden.

Das Ergebnis war erschreckend. Für die Erledigung war der Zeitaufwand bis zu 5 mal länger mittels WAP als per normalem Telefongespräch. Und nicht nur das, auch die Kosten waren höher.

Festzuhalten ist, daß die Übertragungstechnik wesentlich zu langsam ist und dem Benutzer nervenraubende Geduldsproben abverlangt.

Lösung UMTS?

Um dieses Problem zu lösen, wird eine schnellere Übertragungstechnik benötigt. Und diese heißt UMTS. Erst dann wird es wirklich sinnvoll, WAP-Dienste in Anspruch zu nehmen. Aber bis die ersten Netze verfügbar sind, vergeht noch einige Zeit.

Zwischenlösung GPRS

Bis dahin wird eine andere Technik, die GPRS-Technik (General Packet Radio Service) eingesetzt. Hierbei wird die Datenübertragungsrate stark vergrößert und somit der drahtlose Austausch von Multimediainhalten erleichtert.

Die Übertragungsrate von GPRS ist zwar deutlich schneller als der heutige Standard, aber bei weitem noch nicht schnell genug. GPRS wird daher als Zwischenlösung angesehen, bis flächendeckende UMTS-Netze in ein paar Jahren zur Verfügung stehen.

Akzeptanz in der Bevölkerung

Nun stellt sich nur die Frage, ob die Nutzer auch diese neue Art der Kommunikation wünschen. Um diese Frage zu beantworten, schaut man sich am besten in anderen Ländern um. In Japan beispielsweise ist die Begeisterung riesig. Nur ein Jahr nach dem Start von „I-Mode“ surfen über 7 Millionen Japaner per „I-Mode“ durchs Netz. Einer der Hauptprofiteure ist der japanische Betreiber NTT-Docomo. Japans führender Mobilfunkbetreiber gewinnt so jeden Monat 500.000 neue Nutzer hinzu.

Hauptzugpferd ist die integrierte Digitalkamera, mit der Teenager Bilder an Freunde senden können. Dieser spektakuläre Erfolg von „I-Mode“ zeigt, wie schnell mobiles Internet begeistern kann.

Übertragungstechnik UMTS

UMTS wird diese mobile Revolution noch beschleunigen. Mit ihr ist es möglich, 200 mal schneller als mit einem herkömmlichen Telefonanschluß Bilder, Videos und Informationen abzurufen. Auch hierbei ist Japan führend. Schon im Jahre 2001 soll dort mit UMTS gestartet werden.

UMTS-Handys

Ein UMTS-fähiges Handy kann sich so

· zur persönlichen Kommunikationszentrale,

· zum digitalen Ausweis,

· zur elektronischen Geldbörse oder

· zum Navigationsgerät

entwickeln.

Letzteres eröffnet dem Nutzer ganz neue Perspektiven. Es ist nun möglich, ortsgebundene Informationen zu erhalten. Stellen Sie sich vor, Sie sind beim Einkaufsbummel und plötzlich werden Sie auf besondere Sonderangebote im Geschäft, an dem Sie gerade vorbeilaufen, aufmerksam gemacht. Oder Sie sind in einer fremden Stadt und haben sich verirrt. Ein Knopfdruck genügt und Sie wissen wo Sie sind und können mittels elektronischen Stadtplan den richtigen Weg finden.

Stellen Sie sich vor, Sie sind mit dem Auto unterwegs und suchen ein Hotel, ein Knopfdruck genügt, und Sie werden zu einem Hotel gebracht. Gleichzeitig können Sie menügesteuert gleich ein Zimmer buchen und bezahlen.

Sprach- vs. Datenkommunikation

Diese faszinierenden Möglichkeiten zeigen aber auch, daß das Telefonieren nur noch zu einer Nebensache wird. Die Firma Mobilcom beispielsweise geht davon aus, daß in naher Zukunft alle Telefongespräche kostenlos sein werden. Geld wird dann nur noch mit den Geschäftspartnern verdient, die über das UMTS-Netz mit den Nutzern in Kontakt treten.

Der hierfür benutzte Begriff ist M-Commerce, also der Handel über das mobile Internet. Brancheninsider gehen davon aus, daß in 4 Jahren allein in Westeuropa über 90 Millionen Menschen drahtlos kommunizieren und einkaufen werden.

Gewinn durch Dienstleistungen

Damit die Mobilfunkunternehmen trotz der hohen Kosten etwas verdienen, ist es erforderlich, so viele Kunden wie möglich ans eigene Netz zu binden. So planen einige Mobilfunkunternehmen beispielsweise, Girokonten zu führen, Strom zu verkaufen oder Finanzdienstleistungen durchzuführen. Handykunden sollen möglichst viele Dienstleistungen aus einer Hand geboten bekommen. Erst dann läßt sich mit Handynutzung in Zukunft Geld verdienen.

Kosten von UMTS

Aber warum ist UMTS so teuer? Schuld, zumindest in Deutschland, ist die Bundesregierung. Sie kassierte bei der Versteigerung der Lizenzen fast 100 Milliarden DM. Andere Länder haben diese Lizenzen den Betreibern kostenlos zur Verfügung gestellt. Diese Lizenzgebühren sind quasi eine Zwangssteuer auf die Zukunftstechnologie UMTS, die letztlich die Verbraucher durch höhere Gebühren bzw. Preise für Produkte bezahlen müssen.

Als weiterer Schuldiger für die hohen Kosten wird die Deutsche Telekom AG genannt, welche sich mehrheitlich im Besitz des Staates befindet. Sie hat, wenn man den Äußerungen einiger privater Telefongesellschaften glauben schenkt, den Preis künstlich nach oben getrieben, um den Staatshaushalt zu sanieren. Ob das der Wahrheit entspricht, müssen Gerichte klären. Zur Zeit sind mehrere Klagen anhängig. Beispielsweise fordert die Firma Mobilcom so eine Rückerstattung vom Staat ein. Wer sich letztlich durchsetzt, wird die Zukunft zeigen.

 

 

[Willkommen] [Wirtschaft] [Informatik] [Bücher] [Impressum]

Copyright (c) 2012 Dipl.-Wirt.-Inform. Dennis A. Winkler, Stand: 02.07.2012
Diese Website ist unter folgenden URLs zu erreichen:
http://www.dennis-winkler.de  -  http://www.winkler-boerse.de