COSMIC FFP

Eine relativ neue Methode zur Messung des funktionalen Gehalts einer Software ist die durch ISO 14143 zertifizierte Methode nach COSMIC FFP. COSMIC steht dabei für „The Common Software Measurement International Consortium“ und ist ein Zusammenschluss von mehreren Software-Measurement-Experten aus 8 Nationen.

Das Ziel dieses 1998 gegründeten Konsortiums ist es, neue Softwaregrößenmessmethoden zu entwickeln, zu testen und auf den Markt zu bringen, um das Estimation- und Performancemeasurement zu unterstützen.
Aus Sicht der COSMIC FFP-Methode ist vor allem der Aspekt der Funktionalität von Interesse, welche die Software dem Nutzer bereitstellt. Diese Funktionalität wird in Form von Functional User Requirements (FUR) gemessen.

COSMIC FFP stellt dafür eine Vielzahl von Modellen, Regeln und Prozeduren bereit, um den funktionalen Gehalt einer Software in Form von FUR zu bestimmen. Diese FUR sind dabei eine Untermenge der User Requirements und repräsentieren die Nutzeranforderungen und Prozeduren, die eine Software bereitzustellen hat, um die Anforderungen der Nutzer zu erfüllen (Vgl. [SYMONS02], Part 1-2, S. 28).

Dabei können die FUR schon vor der eigentlichen Softwarefertigstellung, beispielsweise in der Fachkonzeptphase, ermittelt werden.
Die Funktionalität einer Software setzt sich laut dem COSMIC Model of Software FUR Version 2.0 im Wesentlichen aus der Summe der Datenbewegungen (Data movements) zusammen.
Zu den Datenbewegungen zählen laut COSMIC folgende Typen:

  • Entry,
  • Exit,
  • Write,
  • Read.

Die folgende Abbildung zeigt das Zusammenspiel dieser Datenbewegungstypen:

cosmicffp

(Erstellt auf Grundlage von [COSMIC03], S. 19)

Demnach wird die Funktionalität einer Software allein durch diese 4 Datenbewegungstypen beschrieben.
Jedem Datenbewegungstyp wird eine COSMIC functional size unit (Cfsu) zugeordnet. Die Größe eines funktionalen Prozesses innerhalb einer Software ist dann die arithmetische Summe seiner Datenbewegungstypen.
Zu beachten hierbei ist, dass der Wertebereich der Cfsu im Bereich von 2 bis unendlich liegt und somit zunächst nicht potentiell verhältnisskaliert ist.

cosmicffp2

(Erstellt auf Grundlage von [COSMIC03], S. 46)

Die funktionale Größe einer Software ist dann entsprechend die Summe der Größe der einzelnen funktionalen Prozesse.

Der Prozess der Messung der funktionalen Größe einer Software mittels COSMIC FFP unterteilt sich in drei Phasen:

  1. Definition des Zwecks, des Ausmaßes und des Standpunkts der Messung,
  2. Mapping Phase,
  3. Measurement Phase.

In der 1. Phase geht es um Fragestellungen wie:

  • Warum soll gemessen werden und wofür?
  • Welche Funktionalität sollte in die Messung integriert werden?
  • Von welcher spezifischen Perspektive sollte gemessen werden, beispielsweise aus der Businesssicht oder aus der Entwicklersicht?

In der 2. Phase, der Mappingphase, geht es um die Identifizierung der Softwareschichten, der Softwaregrenzen, der Nutzer, der funktionalen Prozesse und der Datagroups.

In der 3. Phase stehen dann die Identifizierung der Datenbewegungstypen, die Zuweisung von Größeneinheiten und die Ermittlung der Ergebnisse im Mittelpunkt der Betrachtung.
Ausgehend von diesen drei Phasen kann nun die Größe eines funktionalen Prozesses und damit die Größe einer Software bestimmt werden.

Die Größe eines funktionalen Prozesses errechnet sich daher wie folgt (Vgl. [COSMIC03], S.50):

cosmicffp3

Die funktionale Größe einer Software ist dann entsprechend mit folgender Formel bestimmbar:

cosmicffp4

 

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