Arbeitsweise von Biotech-Firmen

Wie überall in der Wirtschaft ist das Ziel eines Unternehmens, langfristige Gewinne zu erwirtschaften. Schafft es eine solche Firma nicht, so wird sie zwangsläufig keine Überlebenschance am Markt besitzen. Aber genau das ist das Problem bei Biotechnologieunternehmen. Die Entwicklung von neuen Medikamenten kann schon mal 10 bis 15 Jahre in Anspruch nehmen. In dieser Zeit generiert die Firma keinen Gewinn, ganz im Gegenteil – die Verluste sind immens. Trotzdem generieren diese Firmen auch in der Verlustphase Umsätze. Die Ausweitung dieser Umsätze soll dann nach einigen Jahren zu Gewinnen führen. Aber wie können Biotechnologieunternehmen in der Entwicklungsphase Umsätze generieren? Es gibt im wesentlichen zwei Möglichkeiten:

  1. Auftragsforschung
  2. Entwicklung eigener Produkte

Auftragsforschung

Die Auftragsforschung ist vor allem für kleinere Biotechnologieunternehmen interessant. Sie ermöglicht den Unternehmen, ihre eigene Forschung und Entwicklung sowie die Expansion in neue Geschäftsfelder durchzuführen.

Dazu schließen die Biotechnologiefirmen Forschungsverträge mit großen Pharmagiganten oder aber mit Universitäten oder anderen unabhängigen Forschungsinstituten ab. In diesen Verträgen vereinbaren sie Gebühren, die dann nicht nur die Kosten decken, sondern noch einen Überschuß generieren. Mit diesem Überschuß wird dann die schon oben angesprochene Expansion in andere Geschäftsfelder sowie die eigene Forschung und Entwicklung finanziert.

Man sieht hier schon die Wichtigkeit der Auftragsforschung für das Fortbestehen des Unternehmens. Der Hauptvorteil liegt jedoch in der soliden, langfristigen Kalkulationsgrundlage, welcher nur ein geringes Ausfallrisiko aufweist.

Bei der Auftragsforschung besteht aber der Nachteil, daß die Planungssicherheit nur für die Dauer eines vereinbarten Zeitraumes besteht. Das heißt: Eine erfolgreiche Arbeit induziert nicht immer Folgeaufträge.

Gerade bei öffentlich-rechtlichen Kooperationspartnern, wie beispielsweise Universitäten, ist der Erhalt von Folgeaufträgen nicht immer gewährleistet. Begründet ist dies durch die knappen Finanzmittel der Universitäten.

Je höher also der Anteil von öffentlichen Kooperationspartnern ist, desto höher ist auch die Gefahr, daß Folgeaufträge ausfallen.

Daher sollte dieses Risiko bei einem Investment in solche Firmen mitberücksichtigt werden.

Eigenproduktentwicklung

Neben der Auftragsforschung ist die Eigenproduktentwicklung das eigentliche Ziel eines Biotechnologieunternehmens, will ein Unternehmen doch neue Produkte gegen Krankheiten entwickeln. Wenn eine Firma es dann geschafft hat, solche neuen Medikamente zu entwickeln, so stehen ihr im wesentlichen 2 Vermarktungswege offen:

  1. Lizensierung
  2. Eigenvertrieb

Lizenzierung

Die Lizenzierung wird vorrangig von Biotechnologieunternehmen betrieben, die nur eine geringe Kapitaldecke ihr Eigen nennen. Die Entwicklung eines Medikaments ist die eine Seite, die Betreuung des Medikaments in den zahlreichen klinischen Phasen oder gar dem Vertrieb ist die andere Seite. Viele kleine Unternehmen haben einfach nicht genügend Kapital oder nicht genügend qualifiziertes Personal dafür. Folglich müssen diese Unternehmen einen anderen Weg einschlagen, um die Früchte ihrer Arbeit zu ernten.

Sie schließen also Lizenzverträge mit den großen Pharmakonzernen, welche über genügend Kapital und über einen gut funktionierenden Vertrieb verfügen, ab. Das Biotechnologieunternehmen erhält dann Lizenzgebühren von ihrem Partner.

Diese Lizenzgebühren sind meist am Umsatz des neuen Medikaments gebunden. Wird es ein Erfolg, so kann sich das Biotechnologieunternehmen über einen wahren Geldregen freuen. Diese Gelder können dann wiederum in weitere Forschungen investiert werden.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie kostenintensiv die Entwicklung und Vermarktung ist, ein Beispiel:

Die Kosten betragen durchschnittlich 370 Mio. USD für die Entwicklung und den Vertrieb eines neuen Medikaments. Allein auf die 3. klinische Testphase entfallen 210-260 Mio. USD.

Daß solche horrenden Summen von diesen Kleinunternehmen nicht aufgebracht werden können, liegt auf der Hand. Aus diesem Grund praktizieren fast alle pharmaforschenden Biotechnologieunternehmen die Lizenzierung.

Eigenvertrieb

Den Stellenwert, den die Lizenzierung bei den pharmaforschenden Unternehmen besitzt, hat der Eigenvertrieb bei dem technologieherstellenden Bereich der Biotechnologieindustrie.

Der Grund liegt einfach darin, daß die Kundenanzahl geringer ist. Müssen pharmaforschende Unternehmen ihre Medikamente zu mehreren 100.000 Adressen, wie beispielsweise Krankenhäuser, Ärzte, Universitäten etc., vertreiben, so sieht es bei den technologieherstellenden Biotechnologieunternehmen anders aus. Hier erfolgt der Vertrieb meist nur an einige ausgewählte Kunden. Folglich kann die Vertriebsmannschaft relativ klein ausfallen, was wiederum die Kosten deutlich senkt.

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Copyright (c) 2012 Dipl.-Wirt.-Inform. Dennis A. Winkler, Stand: 02.07.2012
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